{"id":113,"date":"2017-02-14T21:51:01","date_gmt":"2017-02-14T21:51:01","guid":{"rendered":"http:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/?page_id=113"},"modified":"2017-02-25T21:20:08","modified_gmt":"2017-02-25T21:20:08","slug":"jenseits-der-zweiten-stufe-hypothesen-und-betrachtungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/mallory-irvine\/jenseits-der-zweiten-stufe-hypothesen-und-betrachtungen\/","title":{"rendered":"Jenseits der Zweiten Stufe &#8211; Hypothesen und Betrachtungen"},"content":{"rendered":"<h2>Mallorys Armbanduhr<\/h2>\n<p>1999 \u00e4u\u00dferte der britische Bergsteiger und Filmemacher Jim Curran folgende Hypothese zu Mallorys Armbanduhr, die sp\u00e4ter von dem Autor Charles Lind in seinem Roman <em>An Afterclap of Fate <\/em>(S. 108) erweitert wurde:<\/p>\n<p><em>&#8220;Als Mallorys Leiche entdeckt wurde, fand man seine Armbanduhr in einer seiner Taschen. Das Uhrglas fehlte, der Minutenzeiger war abgebrochen und fehlte ebenfalls. Es war ziemlich offensichtlich, dass die Uhr abgenommen und in die Tasche gesteckt wurde, nachdem sie besch\u00e4digt worden war. In der Tasche fanden sich keine Spuren des Glases. Mallory trug seine Armbanduhr an seinem linken Handgelenk, mit dem Geh\u00e4use auf der Innenseite. Die Besch\u00e4digung stimmt perfekt mit dem \u00fcberein, was passiert w\u00e4re, wenn er vergessen h\u00e4tte, die Uhr auszuziehen und den Arm in einem Riss verklemmte. <\/em>[&#8230;] <em>Man beachte zudem, dass die Uhr sorgf\u00e4ltig abgenommen und in seiner Tasche verstaut worden war. Das Uhrenarmband ist schmal und die Schnalle klein. Zum Abnehmen musste man die warmen \u00dcberhandschuhe ausziehen und die blo\u00dfen Finger benutzen. Dies wiederum bedingt, dass Mallory zu diesem Zeitpunkt noch in einem ausreichend wachen und funktionierendem Geisteszustand war, um darauf zu achten. Und er musste die Zeit dazu gehabt haben. <\/em>[&#8230;] <em>Du fummelst nicht mit deiner Armbanduhr in einem Schneesturm herum <\/em>[der zwischen 14 und 16 Uhr \u00fcber den Everest hereinbrach; Anm. JH]<em>, und auch nicht nach 16 Uhr, wenn du ersch\u00f6pft und jede verbleibende Minute Tageslicht wertvoll ist. <\/em>[&#8230;] <strong><em>Dies unterstreicht das Argument, dass die Uhr w\u00e4hrend der Risskletterei an der Zweiten Stufe besch\u00e4digt wurde.<\/em><\/strong><em>&#8220;<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_115\" aria-describedby=\"caption-attachment-115\" style=\"width: 194px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-10.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-115 size-medium\" src=\"http:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-10-194x300.jpg\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-10-194x300.jpg 194w, https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-10-768x1186.jpg 768w, https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-10-663x1024.jpg 663w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-115\" class=\"wp-caption-text\">Mallorys Armbanduhr<br \/> \u00a9 Rick Reanier\/Jochen Hemmleb<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aufgrund eines Fotos von 1999 aus Lager 5, welches den heute nicht mehr vorhandenen Rest des Stundenzeigers zeigt, und Metallresten, die ich lange Zeit f\u00fcr St\u00fcmpfe beider Zeiger hielt, leitete ich ab, dass die Armbanduhr um 12.52 oder 12.53 Uhr stehen geblieben war. &#8211; genau zu der Zeit, als Odell Mallory &amp; Irvine eine Felsstufe \u00fcberklettern sah, die er, Odell, stets f\u00fcr die Zweite Stufe gehalten hatte.<\/p>\n<p>Uhrexperten haben aber inzwischen \u00fcberzeugend dargelegt, dass es sich bei den Metallresten nicht um die St\u00fcmpfe beider Zeiger handelt. Demnach liefern die einzigen Hinweise auf die Zeit, an der die Uhr stehen blieb, die Rostflecken auf dem Zifferblatt. Da die Position des Stundenzeigers bekannt ist (s.o.), ergibt sich daraus die Uhrzeit 1.27 &#8211; was mit der von Lind postulierten Rast oberhalb der Zweiten Stufe in Einklang w\u00e4re.<\/p>\n<h2>Eine letzte Flasche Sauerstoff?<\/h2>\n<p>H\u00e4tten Mallory &amp; Irvine tats\u00e4chlich gegen 13 Uhr die Zweite Stufe \u00fcberwunden, w\u00e4re zu diesem Zeitpunkt ihr zweites Paar Sauerstoffflaschen zur Neige gegangen. Mallorys erw\u00e4hnte Notizen auf dem Briefumschlag (siehe 3.3) legen nahe, dass er und Irvine mit insgesamt f\u00fcnf (5) Sauerstoffflaschen zum Gipfel aufgebrochen waren.<\/p>\n<p><strong>Damit h\u00e4tte ihnen zum Zeitpunkt einer (hypothetischen) Rast auf dem Plateau oberhalb der Zweiten Stufe noch <u>eine (1) volle Flasche Sauerstoff<\/u> zur Verf\u00fcgung gestanden.<\/strong><\/p>\n<h2>Ein \u00fcberz\u00e4hliger Schlafsack?<\/h2>\n<p>Der australische Everest-Forscher Phil Summers wies darauf hin, dass die bei Mallorys Leiche gefundene Ausr\u00fcstungsliste f\u00fcr den Gipfelversuch (siehe 3.3) unter anderem auch &#8220;1 sahib bag + mattress&#8221; (1 Schlafsack und Isoliermatte f\u00fcr Bergsteiger) und &#8220;1 coolie bag&#8221; (Schlafsack f\u00fcr Tr\u00e4ger). beinhaltet. Wozu, wenn L 5 und L 6 bereits mit Schlafs\u00e4cken und Isoliermatten best\u00fcckt waren.<\/p>\n<p>Der Bergsteiger-Schlafsack (und die Matte) mag dazu gedient haben, den Schlafsack von Norton in L 6 zu ersetzen, der durch eine ausgelaufene Thermosflasche durchfeuchtet worden war. Aber der Verwendungszweck des weiteren Tr\u00e4ger-Schlafsacks ist ungekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Es sei allerdings darauf hingewiesen, dass der Chinese Xu Jing, der 1960 aller Wahrscheinlichkeit nach die Leiche Andrew Irvines am Nordostgrat in 8440 m H\u00f6he fand (siehe meine B\u00fccher <em>Detectives on Everest<\/em>, S. 183-186, und <em>Tatort Mount Everest<\/em>, S. 16-18, 189-194 u. 222-225), mehrfach behauptete, der Tote habe in einem Schlafsack gelegen &#8211; obwohl generell angenommen wird, dass Mallory und Irvine aus Gewichtsgr\u00fcnden keinen (Not-?) Schlafsack auf ihren Gipfelversuch mitgenommen h\u00e4tten. Mit 6 Pfund war das Gewicht eines Tr\u00e4ger-Schlafsack geringer als das einer vollen Sauerstoffflasche (8 Pfund).<\/p>\n<h2>Der Sturm<\/h2>\n<p>Eine neuer Studie der Wettersituation am Everest im Juni 1924 (Moore, K.G.W. et al., \u201cMallory and Irvine on Mount Everest: Did extreme weather play a role in their disappearance?\u201d, <em>Weather<\/em>, vol 65, 8, August 2010) und Interviews mit dem \u00f6sterreichischen Meteorologen Karl &#8220;Charly&#8221; Gabl f\u00fcr die Fernsehdokumentation <em>Erster auf dem Everest <\/em>(ORF, 2011) demonstrierten, dass Mallory &amp; Irvine w\u00e4hrend ihres Gipfelaufstiegs am 8. Juni 1924 in einen aufziehenden Tiefdrucktrog hineinkletterten.<\/p>\n<p>In der Anfangsphase ihres Aufstiegs waren Mallory &amp; Irvine vor dem Wind gesch\u00fctzt, da das Tiefdruckgebiet von SW heranzog. Mit dem Durchzug des Trogs \u00e4nderte sich jedoch die Windrichtung und Mallory &amp; Irvine waren dem Sturm voll ausgesetzt. Neben einer Verschlechterung der Bedingungen am Berg (zunehmender Wind, Niederschlag, Temperaturabfall) f\u00fchrte der Trog auch zu einem bedeutenden Luftdruckabfall, der die Sauerstoffknappheit nach dem Aufbrauchen des Flaschensauerstoffs noch verst\u00e4rkt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>In einem weiteren Interview beschrieb der bekannte H\u00f6henmediziner Prof. Dr. Oswald Oelz die Auswirkungen:<\/p>\n<p><em>\u201eWenn man bis in eine gewisse H\u00f6he mit Sauerstoff geklettert ist und dann ist der Sauerstoff aus, dann ist das Ende Feuer. Dann kommt man nicht mehr weiter.&#8221;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mallorys Armbanduhr 1999 \u00e4u\u00dferte der britische Bergsteiger und Filmemacher Jim Curran folgende Hypothese zu Mallorys Armbanduhr, die sp\u00e4ter von dem Autor Charles Lind in seinem Roman An Afterclap of Fate (S. 108) erweitert wurde: &#8220;Als Mallorys Leiche entdeckt wurde, fand man seine Armbanduhr in einer seiner Taschen. 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