{"id":91,"date":"2017-02-14T20:41:02","date_gmt":"2017-02-14T20:41:02","guid":{"rendered":"http:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/?page_id=91"},"modified":"2017-02-25T21:14:12","modified_gmt":"2017-02-25T21:14:12","slug":"kommentar-zur-sauerstofffrage","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/mallory-irvine\/7-juni-1924\/kommentar-zur-sauerstofffrage\/","title":{"rendered":"Kommentar zur Sauerstofffrage"},"content":{"rendered":"<p>Ein Bewertung der Chancen von Mallory &amp; Irvine, den Gipfel erreicht zu haben, h\u00e4ngt zu einem wesentlichen Teil vom Sauerstoffvorrat ab, der ihnen zur Verf\u00fcgung stand.<\/p>\n<p>Nach seinem Entschluss, einen weiteren Versuch mit Sauerstoff durchzuf\u00fchren, waren Mallory &amp; Irvine am 4. Juni ins L 4 aufgestiegen. Dabei hielten sie an einem Depot an, um eine nicht genannte Anzahl von Sauerstoffflaschen auszuw\u00e4hlen (Irvine, S. 111). Es ist nicht bekannt, wie viele Flaschen sie selbst trugen &#8211; wahrscheinlich insgesamt 2 oder 4. Es ist auch nicht bekannt, ob die beiden sie begleitenden Tr\u00e4ger ebenfalls ein Sauerstoffger\u00e4t und Flaschen trugen.<\/p>\n<p>Die aus dem Depot ausgew\u00e4hlten Flaschen wurden am 5. Juni von f\u00fcnf Tr\u00e4gern ins L 4 transportiert (siehe L4 Logbuch und die unter 1. zitierte Nachricht von G. Bruce). Aufgrund deren Gewicht und der Beschr\u00e4nkung einer Tr\u00e4gerlast d\u00fcrfte kein Tr\u00e4ger mehr als 3 Flaschen getragen haben, wodurch die Gesamtzahl 15 oder weniger betrug.<\/p>\n<p>Die letzte Aufnahme von Mallory &amp; Irvine beim Verlassen des Nordsattels am 6. Juni zeigt beide Bergsteiger beim Tragen eines Sauerstoffger\u00e4ts. Odell schrieb, dass beide jeweils 2 Flaschen trugen, obwohl in der Aufnahme bei Mallory nur eine Flasche eindeutig erkennbar ist. Die Lasten der Tr\u00e4ger umfassten laut Norton (Norton 4, S. 125) Schlafs\u00e4cke und Isoliermatten, Essensvorr\u00e4te und weitere Sauerstoffflaschen. Dies wird durch eine weitere Notiz best\u00e4tigt, die 1999 bei Mallorys Leiche gefunden wurde. Unter den aufgelisteten Gegenst\u00e4nden befinden sich 6 Sauerstoffflaschen.<\/p>\n<p>Vier (4) Tr\u00e4ger begleiteten Mallory &amp; Irvine bei ihrem Aufstieg von L 5 nach L 6 am 7. Juni. Oberhalb von L 4 war eine Tr\u00e4gerlast auf 9 kg beschr\u00e4nkt (20 Pfund; siehe Norton 4, S. 102) &#8211; so dass keiner der Tr\u00e4ger wahrscheinlich mehr als 2 Flaschen trug (16 Pfund). Die Tragekapazit\u00e4t der Partie entspricht somit ann\u00e4hernd der Last, die auf Mallorys Notiz aufgef\u00fchrt ist: 3 Tr\u00e4ger f\u00fcr 6 Sauerstoffflaschen plus 1 Tr\u00e4ger f\u00fcr Essensvorr\u00e4te und andere Ausr\u00fcstung aus L 5. Maximal konnten die Tr\u00e4ger insgesamt 8 Sauerstoffflaschen getragen haben, was 16 Pfund f\u00fcr weitere Ausr\u00fcstung und Verpflegung \u00fcbrig gelassen h\u00e4tte.<\/p>\n<p><strong>Damit waren die wesentlichen Punkte von Mallorys Plan, den er zuvor mit Norton diskutiert hatte (siehe 3.2) erf\u00fcllt: <\/strong>Die Tr\u00e4ger hatten eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Anzahl Sauerstoffflaschen ins L 6 transportiert &#8211; 6 oder vielleicht sogar 8 -, und Mallory &amp; Irvine hatten bis L 6 <em>&#8220;praktisch keinen Sauerstoff&#8221; <\/em>benutzt &#8211; jeweils 3\/4 einer Flasche. Da Mallory &amp; Irvine selbst zusammen 3 oder vier Flaschen getragen hatten, f\u00fcgte dies 1 oder 2 weitere Flaschen zu dem Gesamtvorrat in L 6 hinzu.<\/p>\n<p>Ein Gesamtvorrat von 8 bis 10 Flaschen w\u00e4re ausreichend f\u00fcr einen Gipfelaufstieg mit der maximalen Flaschenzahl gewesen: 3 Flaschen pro Bergsteiger. Selbst dann h\u00e4tten sie noch immer 1 Flasche pro Person zum Schlafen oder als Ersatz f\u00fcr undichte Flaschen gehabt.<\/p>\n<p>Aber der Aufstieg ins L 6 mit nur wenig Sauerstoff und das Tragen von 2 Flaschen lie\u00df Mallory zwei Schlussfolgerungen ziehen, die Auswirkungen auf seine Pl\u00e4ne f\u00fcr den Gipfelaufstieg hatten, welche er in seiner Nachricht an Odell festhielt (siehe 3.):<\/p>\n<ul>\n<li>a) in dieser H\u00f6he waren selbst 2 Flaschen <em>&#8220;eine h\u00f6llische Last zum Klettern&#8221;<\/em><\/li>\n<li>b) da es ihnen gelungen war, mit nur wenig Sauerstoff ins L 6 aufzusteigen, konnten sie Gewicht sparen und <em>&#8220;wahrscheinlich mit 2 Flaschen gehen&#8221; <\/em>statt mit 3<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bis heute wissen wir ungef\u00e4hr, wie viele Flaschen Mallory &amp; Irvine vor ihrem Gipfeltag in L 6 zur Verf\u00fcgung gestanden hatten. Und Mallorys Nachricht an Odell deutet an, wie viele Flaschen sie &#8220;wahrscheinlich&#8221; beim Gipfelaufstieg benutzten.<\/p>\n<p>Wir wissen bislang allerdings nicht, wie viele Flaschen Mallory &amp; Irvine am Ende tats\u00e4chlich mit sich f\u00fchrten. Allerdings notierte Mallory irgendwann w\u00e4hrend des Aufstiegs ins L 6 die Nummern und entsprechenden F\u00fclldr\u00fccke von f\u00fcnf (5) Sauerstoffflaschen auf einem Briefumschlag, der 1999 bei seiner Leiche gefunden wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_92\" aria-describedby=\"caption-attachment-92\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-02.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-92 size-medium\" src=\"http:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-02-300x200.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-02-300x200.jpg 300w, https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-02-768x512.jpg 768w, https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-02-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-02.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-92\" class=\"wp-caption-text\"><em>Mallorys Sauerstoffnotizen auf dem Briefumschlag \u00a9 Mallory &amp; Irvine Research Expedition; aus \u201cGhosts of Everest\u201d, S. 162<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>Diese Daten sagten Mallory, wie lange jede dieser Flaschen reichen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Flaschen sind h\u00f6chstwahrscheinlich zu wenige, um sich auf jene zu beziehen, welche Mallory am 4. Juni aus dem Depot am Fu\u00df des Nordsattels ausgew\u00e4hlt hatte. Die Anzahl stimmt auch nicht mit jener in der sp\u00e4teren Last der Tr\u00e4ger \u00fcberein (6). Und es ist m\u00f6glicherweise von Bedeutung, dass Mallory diese wichtigen Daten auf dem Umschlag eines pers\u00f6nlichen Briefs notierte, den er mit sich trug &#8211; und nicht wie seine anderen Notizen auf einer Seite seines Tagebuchs.<\/p>\n<p>Der schlussendlich st\u00e4rkste Beleg, dass sich die f\u00fcnf auf dem Briefumschlag notierten Flaschen sich auf den Vorrat f\u00fcr den Gipfelaufstieg bezogen, ist die Tatsache, dass eine der aufgef\u00fchrten Flaschen &#8211; Nr. 9 &#8211; 1999 hoch oben am Nordostgrat auf 8475 m H\u00f6he gefunden wurde.<\/p>\n<p>War Mallory am Gipfeltag einen Kompromiss eingegangen und lie\u00df Irvine 3 Flaschen tragen, w\u00e4hrend er selbst nur 2 trug &#8211; so wie er es in seiner Nachricht an Odell angedeutet hatte?<\/p>\n<p>Und welche R\u00fcckschl\u00fcsse l\u00e4sst dies auf Mallorys Planungen zu, wenn diese Taktik bedeutete, dass am Ende den zwei Bergsteigern nur noch eine volle Flasche Sauerstoff zur Verf\u00fcgung stehen w\u00fcrde?<\/p>\n<p>War Irvine mehr die Funktion eines Tr\u00e4gers zugekommen &#8211; und hatte Mallory auf der letzten Etappe die M\u00f6glichkeit eines Alleingangs ins Auge gefasst?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Bewertung der Chancen von Mallory &amp; Irvine, den Gipfel erreicht zu haben, h\u00e4ngt zu einem wesentlichen Teil vom Sauerstoffvorrat ab, der ihnen zur Verf\u00fcgung stand. 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