{"id":99,"date":"2017-02-14T21:00:17","date_gmt":"2017-02-14T21:00:17","guid":{"rendered":"http:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/?page_id=99"},"modified":"2017-02-25T21:16:38","modified_gmt":"2017-02-25T21:16:38","slug":"der-aufstieg-von-mallory-irvine-bis-8500-m","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/mallory-irvine\/8-juni-1924\/der-aufstieg-von-mallory-irvine-bis-8500-m\/","title":{"rendered":"Der Aufstieg von Mallory &#038; Irvine bis 8500 m"},"content":{"rendered":"<p>Mallory &amp; Irvine verlie\u00dfen L 6 irgendwann am Morgen des 8. Juni 1924 in Richtung Gipfel. Obwohl Mallory dem Fotograf John Noel geschrieben hatte (in seiner Nachricht vom Vortag; siehe 3. und 3.1), sie h\u00e4tten vor, &#8220;fr\u00fch&#8221; aufzubrechen, wissen wir jedoch nicht, ob sie dies tats\u00e4chlich taten. Folgende Punkte sollten dabei ber\u00fccksichtigt werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Norton &amp; Somervell hatten urspr\u00fcnglich geplant, um 5.30 Uhr von L 6 zu starten. Wahrscheinlich w\u00e4re ihnen dies auch gelungen, wenn sich ihr Aufbruch nicht durch eine ausgelaufene Thermosflasche verz\u00f6gert h\u00e4tte, weshalb sie erst wieder Schnee schmelzen mussten. Beide verlie\u00dfen das Lager schlie\u00dflich um 6.40 Uhr.<\/li>\n<li>Keine der Gipfelseilschaften w\u00e4hrend der britischen Vorkriegsexpeditionen schaffte es, fr\u00fcher als 5.30 Uhr von L 6 aufzubrechen, meistens bedingt durch die extreme K\u00e4lte vor Sonnenaufgang.<\/li>\n<li>Magnesiumfackeln, eine Kerzenlaterne und eine elektrische Dynamo-Taschenlampe, die sp\u00e4ter im L 6 von 1924 gefunden wurden, sind ein deutlicher Hinweis, dass Mallory &amp; Irvine ihren Aufstieg erst nach Sonnenaufgang begannen, als es bereits hell genug zum Sehen war. \u00a0\u00a0 Mondlicht h\u00e4tte ihnen nicht geholfen, da der Mond bereits vor Mitternacht untergegangen war. Sonnenaufgang war am 8. Juni 1924 um 4.45 Uhr.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Die einzige Schlussfolgerung, die daraus gezogen werden kann, ist, dass Mallory &amp; Irvine wahrscheinlich <u>irgendwann zwischen 5 und 7 Uhr<\/u> zum Gipfel aufbrachen.<\/strong><\/p>\n<p>Bis heute sind <strong>alle Spuren<\/strong> von Mallorys &amp; Irvines Auf- oder Abstieg oberhalb von L 6 (mit Ausnahme von Mallorys Leiche) in einem rund 200 Meter langen Abschnitt des Nordostgrates zwischen dem Ausstieg aus dem Gelben Band auf 8440 m und dem Fu\u00df der Ersten Stufe auf 8500 m gefunden worden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_95\" aria-describedby=\"caption-attachment-95\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-03.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-95 size-medium\" src=\"http:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-03-300x150.jpg\" width=\"300\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-03-300x150.jpg 300w, https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-03-768x384.jpg 768w, https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-03-1024x512.jpg 1024w, https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-03.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-95\" class=\"wp-caption-text\"><em>Mallory &amp; Irvine: Die Funde 1999 &amp; 2001<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>Die g\u00e4ngige Interpretation der Spuren ist, dass eine &#8211; Sauerstoffflasche Nr. 9 &#8211; w\u00e4hrend des <strong>Aufstiegs<\/strong> abgelegt wurde, w\u00e4hrend die anderen beiden &#8211; Irvines Eispickel und ein vermutlich von 1924 stammender Wollf\u00e4ustling &#8211; beim <strong>Abstieg<\/strong> zur\u00fcckblieben.<\/p>\n<p>Sauerstoffflasche Nr. 9 wurde erstmals 1991 von Eric Simonson gesichtet (wahrscheinlich zusammen mit einer zweiten Flasche) und schlie\u00dflich am 17. Mail 1999 von Tap Richards erneut gefunden und geborgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_96\" aria-describedby=\"caption-attachment-96\" style=\"width: 194px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-04.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-96 size-medium\" src=\"http:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-04-194x300.jpg\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-04-194x300.jpg 194w, https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-04-768x1187.jpg 768w, https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-04-663x1024.jpg 663w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-96\" class=\"wp-caption-text\">Tap Richards und Eric Simonson mit Sauerstoffflasche Nr. 9<br \/> \u00a9 Jochen Hemmleb<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Ventilkonstruktion, Form und Gr\u00f6\u00dfe wie auch der Stempel &#8220;E.O.C.&#8221; (&#8220;Everest Oxygen Cylinder&#8221;) identifizierten die Flasche zweifelsfrei als eine der britischen Expedition von 1924 &#8211; und damit von Mallory &amp; Irvine, der einzigen Seilschaft, die 1924 Sauerstoff verwendete.<\/p>\n<figure id=\"attachment_97\" aria-describedby=\"caption-attachment-97\" style=\"width: 194px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-05.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-97 size-medium\" src=\"http:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-05-194x300.jpg\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-05-194x300.jpg 194w, https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-05-768x1186.jpg 768w, https:\/\/jochenhemmleb.com\/web\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Bild-05-663x1024.jpg 663w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-97\" class=\"wp-caption-text\">Die Stempel am Ventilansatz<br \/> \u00a9 Rick Reanier\/Jochen Hemmleb<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zudem ist Sauerstoffflasche Nr. 9 eine der f\u00fcnf Flaschen, die Mallory auf einem Briefumschlag notiert hatte, der 1999 bei seiner Leiche gefunden wurde (siehe 3.3 und Bild 2).<\/p>\n<p>Der Fundort der Flasche lag nach sp\u00e4terer Rekonstruktion in 170-180 m Horizontalentfernung vom Gipfel der Ersten Stufe (d.h. gratabw\u00e4rts oder nord\u00f6stlich davon) auf einer H\u00f6he von 8470-8475 m.<\/p>\n<p>Es existiert aber eine gewisse Unsicherheit bez\u00fcglich des genauen Fundortes und der Fundumst\u00e4nde. Dave Hahn schien sich sp\u00e4ter zu erinnern, w\u00e4hrend des Aufstiegs am 17. Mai 1999 eine alte Sauerstoffflasche gesehen zu haben, die unterhalb des Ausstiegs aus dem Gelben Band aus dem Schnee ragte. Ein Sherpa hat diese Flasche aufgenommen und sp\u00e4ter weiter oben am Grat deponiert. Anhand der Aussagen von Hahn und Richards ist nicht vollst\u00e4ndig zu kl\u00e4ren, ob die von Hahn im Aufstieg gesehene Flasche die gleiche war, die sp\u00e4ter von Richards im Abstieg gefunden wurde &#8211; oder ob es sich bei letzterer um eine andere, <em>zweite<\/em> Flasche handelte.<\/p>\n<p>Es besteht daher die M\u00f6glichkeit, dass der Fundort von Sauerstoffflasche Nr. 9 in Wahrheit bis zu 50 H\u00f6henmeter tiefer lag, auf ca. 8420 m.<\/p>\n<p>Mallorys Notizen auf dem Briefumschlag nach enthielt Flasche Nr. 9 110 Atmosph\u00e4ren Sauerstoff, also 11\/12 des vollen F\u00fclldrucks von 120 Atmosph\u00e4ren. Dies entspricht einer Menge von 490 Litern Sauerstoff.<\/p>\n<p>Die von \u00c4rzten 1924 empfohlene Durchflussmenge von Sauerstoff f\u00fcr einen Aufstieg oberhalb von L 6 lag bei 2-2,5 Litern pro Minute. In diesem Fall h\u00e4tte die F\u00fcllmenge von Flasche Nr. 9 bei durchgehender Benutzung 196-245 Minuten gereicht (3h 15min &#8211; 4h).<\/p>\n<p>Nimmt man an, dass Mallory &amp; Irvine durchgehend Sauerstoff mit konstanter Durchflussmenge atmeten, dann bedeutet der Fundort von Sauerstoffflasche Nr. 9, dass Mallory &amp; Irvine etwa 4 Stunden ben\u00f6tigten, um von L 6 (8140 m) bis zum Nordostgrat auf 8420-8470 m zu steigen. Aufgrund der vielen Unsicherheiten bei der angenommenen Aufbruchszeit von L 6 und dem genauen Fundort von Flasche Nr. 9 ist die optimistischste Interpretation, dass Mallory &amp; Irvine <strong>gegen 8.30 Uhr<\/strong> nahe dem Fu\u00df der Ersten Stufe angelangten (d.h. knapp hinter Mallorys Zeitplan, den er an John Noel geschrieben hatte; siehe 3.1). <strong>Sie k\u00f6nnten aber auch bedeutend sp\u00e4ter dort angekommen sein.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn der Fundort, an dem Flasche Nr. 9 1999 geborgen wurde, tats\u00e4chlich mit dem Ort \u00fcbereinstimmt, an dem sie 1924 zur\u00fcckgelassen wurde, dann ist Sauerstoffflasche Nr. 9 bis heute <strong>die h\u00f6chste Spur, die von Mallory &amp; Irvine gefunden wurde.<\/strong><\/p>\n<p><strong>F\u00fcr ihren weiteren Aufstieg oberhalb dieses Punktes gibt es keinen weiteren konkreten Beleg.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mallory &amp; Irvine verlie\u00dfen L 6 irgendwann am Morgen des 8. Juni 1924 in Richtung Gipfel. Obwohl Mallory dem Fotograf John Noel geschrieben hatte (in seiner Nachricht vom Vortag; siehe 3. und 3.1), sie h\u00e4tten vor, &#8220;fr\u00fch&#8221; aufzubrechen, wissen wir jedoch nicht, ob sie dies tats\u00e4chlich taten. 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